NDR Info: NATO überprüft Geschäftsbeziehungen zu deutschem Dienstleister für Afghanistaneinsatz
Die NATO prüft, ob Aufträge an einen deutschen Dienstleister für die ISAF in Afghanistan für illegale Handlungen missbraucht werden. Es bestehe die "Gefahr, dass möglicherweise Drogen geschmuggelt worden sind oder dergleichen Dinge mehr", sagte der Chef des militärischen Oberkommandos der NATO, des Allied Joint Forces Command im niederländischen Brunssum, der deutsche Vier-Sterne-General Egon Ramms, dem Radioprogramm NDR Info. NATO-eigene Quellen, in die NDR Info Einblick hatte, bezeichnen hinter dem Dienstleister stehende Mitglieder eines Clans als verstrickt in Organisierte Kriminalität. Jahrelang hatte die NATO bei der Auftragsvergabe an die Düsseldorfer Ecolog AG diese Informationen unbeachtet gelassen. Aktuell prüft die NATO nun zwei laufende Verträge, um festzustellen, "ob Ecolog für uns noch ein geeigneter Geschäftspartner ist". Erste Aufträge an Ecolog in den Jahren 2003 und 2004 hatte die NATO sogar noch ohne zentrale Ausschreibung vergeben.
Ecolog ist laut Ramms seit Übernahme des ISAF-Kommandos durch die NATO 2003 für das Bündnis in Afghanistan tätig. Die Firma belieferte das ISAF-Hauptquartier mit Diesel und ist nach Nato-Angaben noch bis zum Jahresende mit Wäschereidienstleistungen für ISAF-Standorte in Kabul beauftragt sowie mit der Müllentsorgung im ISAF-Hauptquartier und am Militärflughafen in Kabul.
Hintergrund der Nato-Prüfungen sind unter anderem Erkenntnisse der Kosovo-Sicherheitstruppe KFOR. Die Ecolog AG in Düsseldorf gehört zum Firmengeflecht der einflussreichen mazedonisch-albanischen Familie Destani aus dem Raum Tetovo. Schon vor acht Jahren hatte ein Bericht der deutschen Nachrichtendienste (GENIC) bei der KFOR von einem "Clan mit dem Schwerpunkt organisierte Kriminalität" gesprochen. Nach einem aktuellen und als vertraulich eingestuften Bericht der KFOR kontrollieren Familien-Mitglieder "Verbrechen und Organisierte Kriminalität" im Grenzgebiet zwischen Kosovo und Mazedonien.
Ecolog-Vorstand Thomas Wachowitz teilte auf NDR Anfrage mit, derartige Einschätzungen aus dem KFOR-Umfeld seien inhaltlich "unzutreffend." Es gebe keinen Zusammenhang zwischen der Ecolog oder deren Gründerfamilie und kriminellen Verhaltensweisen. Einzig denkbarer Erklärungsansatz sei eine "Namensverwechslung", so Wachowitz weiter. Im Übrigen habe Ecolog nie irgendwie geartetes Material aus Afghanistan heraustransportiert.
Familienpatriarch Lazim Destani, der Vater des Ecolog-Gründers Nazif Destani, wurde 1994 vom Landgericht München unter anderem wegen unerlaubten Erwerbs einer vollautomatischen Schusswaffe und Beihilfe zur unerlaubten Einreise in 30 Fällen zu 27 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Landgericht Traunstein verurteilte im vergangenen Jahr einen inzwischen entlassenen Ecolog-Mitarbeiter zu neuneinhalb Jahren Haft. Er soll den Schmuggel von mehr als vier Kilo Heroin nach Deutschland in Auftrag gegeben haben. Der Verurteilte hat Revision eingelegt.
NDR Info hatte im Dezember berichtet, dass die Bundeswehr über mehrere Jahre hinweg ohne Ausschreibung umfangreiche Aufträge an Ecolog für den Afghanistaneinsatz vergeben hat. Dabei geht es um Mobiltoiletten oder Müll und Abwasser. Auch die Bundeswehr überprüft seither ihre Geschäftsbeziehungen zu Ecolog. Der Haushaltsplan des Bundesverteidigungsministeriums sieht fürs laufende Jahr Aufträge an Ecolog im Wert von 50 Millionen Euro vor.
26. Februar 2010
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